Die Schule hat eigentlich einen klaren Schwerpunkt: Mathematik. Nicht umsonst hat ein ehemaliger Schüler sogar die Fields-Medaille gewonnen, so etwas wie den „Nobelpreis“ für Mathe. Und genau deshalb war es spannend, hier mit Sprache zu arbeiten.
Denn beim Schreiben geht es genauso wie in der Mathematik um Strukturen, um Regeln, um Muster. Nur dass man diese in der Lyrik auch bewusst brechen darf. In der Mathematik wäre ein falscher Beweis eben einfach falsch – in der Poesie kann genau dieser „Fehler“ zu einem besonderen Effekt führen.
Auch der Rhythmus hat viele Parallelen: 4/4-Takt, Wiederholungen, symmetrische Formen – das alles lässt sich messen wie eine Formel. Aber in einem Gedicht darf der Takt auch mal stolpern, die Betonung darf verrutschen. Das macht Sprache lebendig.
Die Schüler und Schülerinnen haben in diesen drei Tagen ausprobiert, wie Worte gleichzeitig logisch und unlogisch sein können. Manche Texte waren streng gebaut wie eine Rechenaufgabe, andere flatterten frei wie ein Skizzenbuch. Genau dieser Mix machte die Werkstatt spannend: Zwischen Zahl und Vers, zwischen Denken und Fühlen, zwischen Ordnung und Chaos.
Am Ende blieb der Eindruck: Mathe und Poesie sind gar nicht so weit voneinander entfernt. Beides fordert den Kopf heraus – nur eben auf ganz unterschiedliche Arten. Und genau da, im Dazwischen, entstehen die besten Ideen.
